Compliance im Mittelstand

Compliance: Lebensversicherung und Wettbewerbsvorteil

 

Unterschlagung, Bestechung, Verstöße gegen Datenschutz, Geldwäschegesetz, Umwelt- oder Verbraucherschutz, Rechnungslegungs- oder Steuerpflichten können jedes Unternehmen treffen. Auch wenn Compliance-Verstöße im Mittelstand nur selten Dimensionen wie bei Siemens oder VW erreichen, ziehen sie schnell empfindliche Strafen und die persönliche Haftung der Unternehmensleitung nach sich. Und können darüber hinaus erhebliche, mitunter existenzbedrohende wirtschaftliche Schäden und Reputationsverluste zur Folge haben.

 

Natürlich hat jedes Unternehmen den Anspruch, compliant zu sein, d. h. externe Gesetze und Vorschriften sowie interne Regeln einzuhalten. Andererseits gibt es vielfach Konstellationen, Anreize und Verhaltensweisen, die Regelverstöße begünstigen, wenn nicht gar als Erfolgsvoraussetzung banalisieren (Paradox der Compliance). Hier soll Compliance-Management systematisch gegensteuern.

 

 

Compliance-Risiken nehmen stetig zu

Während die Risiko-Exposition auch der mittelständischen Unternehmen ständig zunimmt, hinken Kenntnis der gesetzlichen Regelungen und Bereitschaft, sich adäquat mit Compliance-Management zu befassen, vielfach deutlich hinterher. Argumente wie „Compliance-Management macht uns unbeweglich und bremst unseren Erfolg.“, „Wir sind ein kleines Unternehmen, für uns interessiert sich doch niemand.“ oder „Compliance-Management ist teuer und lohnt sich für Mittelständler nicht.“ verkennen die Entwicklung der vergangenen Jahre:

  • zunehmende Dichte und Komplexität gesetzlicher Regelungen,
  • teilweise drastische Erhöhung des Strafrahmens,
  • gesteigertes Engagement der Strafverfolgungsbehörden,
  • neue Akzente in der Rechtsprechung,
  • nachlassende Toleranz von Geschäftspartnern und Öffentlichkeit gegenüber Compliance-Verstößen.

 

Fazit: Während die Gelegenheiten für Compliance-Verstöße, insbesondere solchen aus fahrlässiger Unkenntnis, rapide zunehmen, wachsen gleichzeitig auch deren jeweiligen Folgen in rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht.

 

 

Drei gute Gründe für Compliance-Management im Mittelstand

Mittelständische Unternehmen sind i. d. R. nicht ausdrücklich vom Gesetz verpflichtet, eine Compliance-Organisation zu unterhalten. Ignorieren lässt sich das Thema jedoch auch nicht mehr. Nicht zuletzt wegen der mit Compliance-Verstößen verbundenen, für den Laien kaum noch überschaubaren Risiken fragen sich zunehmend auch Mittelständler, wie sie diesen Herausforderungen begegnen können. Dafür haben sie drei gute, jeweils für sich hinreichende Gründe:

  • Risikoeindämmung, auch zum Schutz der Mitarbeiter, quasi als „Lebensversicherung“,
  • Erhöhung der Attraktivität als Arbeitgeber, Lieferant, Kunde, Kreditnehmer und daraus folgender Wettbewerbsvorteil,
  • Ethische Verantwortung

 

 

Konkreter Nutzen durch Compliance-Organisation

Konkreten Nutzen verspricht nur eine systematische und nachhaltige Auseinandersetzung mit Compliance in all ihren Facetten. Als eines von vier Elementen guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung (Corporate Governance) will Compliance-Management

  • durch organisatorische und prozessuale Vorkehrungen Anreize und Gelegenheiten für Regelverstöße minimieren,
  • durch Aufklärung der Mitarbeiter und Entwicklung einer Compliance-Kultur regelkonformes Verhalten fördern und die Bereitschaft zu Regelverstößen minimieren.

 

Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass es eine Compliance-Organisation nicht von der Stange gibt, vielmehr für jedes Unternehmen maßgeschneidert werden muss. Nicht nur, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Sondern auch, um ein angemessenes Verhältnis von Aufwand und Nutzen sicherzustellen.